SAC Hörnli Silvretta-Tourenwoche 2000
Tourenbericht:

Teilnehmer:

Klaus Portmann
Silvia Sahli
Hedi Egli
Marcel Meier
Margrit Heitz
Thea Kipfer
Hans Hugentobler
André Roost
Sepp Geser
Dominik Rossi
 
(18. - 25. März 2000)

Tourenleiter:
Manfred Kipfer

Die Milleniumstour 2000 begann nicht - wie obenstehend - in der Silvretta, sondern im Bedrettotal, worüber die nachstehende Aufzeichnung aus der Feder bzw. dem elektronischen Schreibgerät von Hans Hugentobler entstammt:

Samstag:
Umorganisation des Tourenwochenstarts ins Bedrettotal.
 

 

Sonntag:
Bei wolkenlosem Himmel starten wir in All'Aqua im Bedrettotal. Nach einer flachen Einlaufstrecke, steigen wir im hartgefrorenen Schnee steil durch Gebüsch und lockeren Wald in Richtung Giacomopass. Jeder versucht, sich gegen das ständige Abrutschen auf seine Art und Weise zu wehren. Marcel weicht nach rechts auf eine Wächte aus, was zur Folge hat, dass davon ein Stück abbricht. Unter unseren beschwörenden Blicken hält der Riesenblock an, ohne Schaden anzurichten. Auf dem Giacomopass bläst uns ein kalter Wind ins Gesicht. Nun geht es flach westwärts zum Gipfel des Helgenhorns (2837 m). Dabei werden wir vom Hund Ringo begleitet und beschnuppert, er will auch auf den Gipfel. Dort trifft er lange vor seiner Führerin ein. Vom Helgenhorn geniessen wir eine schöne Aussicht; besonders beeindrucken der Basodino und das Finsteraarhorn. Hinunter geht es über steile, harte Nordhänge zurück ins Bedrettotal. Nur ja kein Sturz heisst hier die Devise. Nachher wird nichts wie los zur Pensione Stella Alpina in Ronco gefahren. Dort wird der Durst gelöscht und anschliessend das Vegi-Nachtessen verschlungen, die einheimische Spezialität Zabaione findet nur mässigen Anklang.

Montag:
Nach den Erfahrungen des Vortages werden schon beim Start in All'Aqua die Harscheisen montiert. Durch Gebüsch wird steil Richtung Piansecco-Hütte angestiegen. Die Hütte wird einfach rechts liegengelassen mit der Begründung, sie sei nicht bewartet (was natürlich nicht stimmte). Bei idealen Verhältnissen können wir mit den Skis fast auf den Gipfel des Chüebodenhorns (3069 m) steigen. Bei tiefblauem Himmel und warmen Temperaturen wecken der P. Rotondo gleich nebenan und das Blinnenhorn im Westen, Errinnerungen an frühere Skitouren. Eine schnelle Abfahrt mit Pulver im oberen Teil und Sulz unten, führt uns rasch zum Ausgangspunkt zurück. Nachdem der Durst gelöscht ist, fahren wir nach Hause, um vor dem zweiten Teil der Tourenwoche eine Nacht im eigenen Bett zu verschlafen. Dank Flexibilität und organisatorischem Einsatz unseres Tourenleiters Manfred, verbrachten wir zwei wunderschöne Tage im Bedrettotal. Herzlichen dank dafür.

Dienstag:
Anreise mit dem öVm (Zug) über Klosters - Vereinatunnel - Saliaigns - Guarda-Staziun bei schönstem Wetter. André lässt seinen fahrbahren Untersatz in Klosters stehen und besteigt ebenfalls den Zug. In Guarda ungeduldiges Warten auf Sepp, der von Bergün anreist. Gemeinsame Postautofahrt nach Guarda-Dorf, wo wir uns in der gemütlichen Usteria 'Crusch-Alba' verwöhnen lassen. Ein originelles Lokal mit netter Bedienung und einem kurligen Wirt (Franz Baumberger). Angesichts des anstehenden Anstiegs und früheren, unerfreulichen Erfahrungen (Santa Catarina!) verzichten wir sogar auf den üblichen Grappa.
Die Tuoi-Hütte auf 2250 MüM ist fast voll, weil noch Militär anwesend ist. Gutes Nachtessen und ab in die Klappe. Der durstige Wirt findet noch einige Opfer, um mit ihnen bis gegen 01:00 Uhr zu bechern. Als rechtschaffene Alpinisten sind die Hörnlianer jedoch standhaft und lassen sich nicht verführen.

Mittwoch:

Bedingt durch den verspäteten Beginn der Silvretta-Tour lassen wir das Jamjoch bzw. die -spitzen sowie die Jamtal-Hütte im Osten rechts liegen und peilen direkt die Fuorcla Vermunt und somit den Dreiländerspitz an. Hans bricht den Versuch, ohne Harscheisen die Tour zu machen, auf halbem Weg ab und kehrt nochmals zur Tuoi-Hütte zurück um sich primo die Eisen zu holen und secundo sich gebührend von den 4 Damen vom Vorabend zu verabschieden. Mit Ausnahme von Thea und Sepp besteigen alle den Gipfel oder zumindest bis zur Schlüsselstelle: ein schmaler, beeindruckender Schneegrat unmittelbar vor dem Gipfel.

Die Abfahrt zur Wiesbadener-Hütte hält nicht was sie verspricht. Schon kurz nach dem Gipfelhang dominiert der Chlötzlipulver und die eleganten Schwünge werden immer seltener. Angesichts der Vollpackung heisst die Devise: Höhe vernichten und heil ankommen. Die Hütte ist von beeindruckender Grösse. Gleich nach der Ankunft lassen wir uns vom Charme von Helga einpacken und verschlingen genüsslich einen feinen Apfelstrudel, ein mohnsamenüberpflastertes, undefinierbares Ding oder wahlweise einen Kaiserschmarren als Zwischenverpflegung. Am Abend wird serviert, was eine Bernerplatte hätte sein sollen. Dem Koch sei ein Besuch des Restaurants Krone in Zäziwil im Emmental empfohlen! Getreu nach Hörnlianer-Art, kommen auch die Kartenspieler erneut auf ihre Rechnung.

Donnerstag:
Ziel ist der Piz Buin auf 3312 MüM. Die herrlichen Gletscherabbrüche auf dem Vorbeiweg sind beeindruckend und bringen willkommene Abwechslung während dem Anstieg.
Dank der fachkundigen Führung durch unsere bewährten Tourenleiter Manfred, Chlaus und Marcel, bereitet die Besteigung keine besonderen Schwierigkeiten. Auf dem Gipfel geniessen wir die herrliche Rundsicht. Schade, dass der Bidon mit dem köstlichen Mirabellenschnaps beim Skidepot zurückblieb. Mangels Kartenmaterial waren auch die diversen Behauptungen betreffend Namen der umliegenden Berge nur bedingt überprüfbar.

Auf der Abfahrt - Nordhänge und Pulverschnee dominieren - erlebt jeder von uns, wie schön das Tourenskifahren sein kann. Nur der Gegenanstieg zur Hütte in der gleissenden Nachmittagssonne bringt uns wieder auf den Boden der Realität zurück. Wie am Vortag verwöhnt uns Helga bzw. ihre namenlose Kollegin mit den feinen Erzeugnissen aus der Küche und dem Keller. Lag es am Aussehen der Namenlosen, dass Hans ihren Namen nicht in Erfahrung brachte?
Weil sich die Sonne früher verabschiedete, wurde der Nachmittag problemlos durch Kartenspiele oder Lektüre überbrückt. Dumpfe Klopfgeräusche liessen bald einmal erahnen, dass die klassischen „Wianer-Schnitzl“ auf dem Speisezettel standen. Anstelle der Pommes gab es jedoch Kartoffelsalat mit reichlich Zwiebeln; letztere gaben André allerdings tüchtig zu schaffen. Er wusste sich jedoch zu helfen und behandelte das Problem mit einigen bitteren, alkoholischen Gebrannten.

Freitag:
Da wir zur Silvretta-Hütte dislozieren, begehen wir vorerst den gleichen Anstieg wie am Vortag bis auf knapp 3000 MüM, wo Manfred den Blinker Richtung NW betätigt. Ziel ist das Silvrettahorn auf 3243 MüM von der Egghornlücke (?) aus. Das Wetter lässt jedoch zu wünschen übrig und zeitweise windet es gehörig. Diesmal leistet uns - Thea und Sepp - auch Silvia Gesellschaft, während die harten Typen bei mässiger Sicht auch diesen markanten Berg im Vorbeiweg bezwingen. Bei den Wartenden kommen aktuelle Themen zur Sprache oder die Zeit wird mit Lesen, Musik hören oder Gymnastik überbrückt.
Der beindruckend steile erste Hang ist alles andere als einladend. Wegen der miserablen Schneebeschaffenheit hiess die Devise erneut: Höhe vernichten. Auch weiter unten mehrheitlich Deckel, diskret verpackt unter einer mehr oder weniger dicken Schicht Pulver, zu wenig um anständige Schwünge machen zu können.
Wir erreichen heil die Hütte und lassen uns vom liebevollen Hüttenwartpaar verwöhnen. Um die Hütte liegen noch meterweise Schnee; noch vor knapp einer Woche fielen noch gegen 1.50 Meter der weissen Pracht. Obschon einiges weniger komfortabel, jedoch blitzsauber, geniessen wir die ruhige Hüttenatmosphäre und freuen uns auf das feine NaE (Suppe, Braten mit Polenta und 'Brännti Crème' zum Dessert). Vor- und nachher kramt Chlaus immer neue Varianten des Kartenspiels aus seinem schier unerschöpflichen Vorrat.

Samstag:
Aufbruch auf Umwegen nach Hause. Doch vorerst liegt noch der Gletscherchamm (3173 MüM) am Wege, um bezwungen zu werden. Schöner Anstieg über den Silvrettagletscher. In der Nacht hat es nochmals 10 cm geschneit. Weiter oben zieht Manfred gekonnt eine frische Spur. Bei einem Zwischenhalt verspüren einige noch das Bedürfnis, eine Zwischenabfahrt zu machen und vom guten Schnee zu profitieren während Manfred Hans behilflich ist, seine lädierte (gebrochene Diamir!) Bindung notdürftig zu fixieren. Operation gelungen, Heilungsprozess aussichtslos; bei nächster Gelegenheit, ab in die Klinik (STS).
Nach erfolgreicher Besteigung des Gipfels im beinahe unbezwingbaren Tiefschnee- folgen auf der Abfahrt einige schöne Pulverhänge. Doch schon bald ereilt uns dasselbe Schicksal wie an den Vortagen: Deckel und nochmals Deckel und dies während nahezu 1000 Höhenmetern. Genuss mässig bis saumässig. Unten ist es ordentlich warm und vorgängig sind einige grössere Lawinen abgegangen, weiter unten sogar von den Nordcouloirs.
Die Schlussfahrt bzw. -stosserei Richtung Monbiel bei frühlingshaften Temperaturen im aufgeweichten Neuschnee, kann nicht unbedingt als Tourenhöhepunkt gewertet werden. Der Versuch, die Langlaufloipe als Erleichterung zu benützen, misslingt gründlich: wir verirren uns auf einer Zusatzschlaufe! Trotz alledem ist der abschliessende Fussmarsch nicht allzulang und - perfect timing - erwischen wir sogleich das Postauto, das uns zum Bahnhof Klosters bringt.
Noch ein letztes Bier auf der Terrasse des Hotels Chesa Grischuna und eine Stärkung. André überrascht alle, weil er es nicht verkneifen konnte, nahtlos von den Skihosen auf Shorts umzusteigen ohne den Umweg via Jeans zu wählen.
Ende gut, alles gut! Trotz der wetterbedingten, anfänglich notwendigen Umdisponierung, durften wir eine erfolgreiche und schöne Tour erleben. Manfred sei bestens gedankt für die gewohnte, kaum noch zu steigernde Perfektion in der Organisation und Führung.
Wir freuen uns heute schon auf nächstes Jahr. Gute Vorschläge benötigen nur noch, in die Tat umgesetzt zu werden.

Die Chronisten: 
Hans und Sepp