

|
Sonntag:
Bei wolkenlosem Himmel starten wir in
All'Aqua im Bedrettotal. Nach einer flachen Einlaufstrecke, steigen wir
im hartgefrorenen Schnee steil durch Gebüsch und lockeren Wald in
Richtung Giacomopass. Jeder versucht, sich gegen das ständige Abrutschen
auf seine Art und Weise zu wehren. Marcel weicht nach rechts auf eine Wächte
aus, was zur Folge hat, dass davon ein Stück abbricht. Unter unseren
beschwörenden Blicken hält der Riesenblock an, ohne Schaden anzurichten.
Auf dem Giacomopass bläst uns ein kalter Wind ins Gesicht. Nun geht
es flach westwärts zum Gipfel des Helgenhorns (2837 m). Dabei werden
wir vom Hund Ringo begleitet und beschnuppert, er will auch auf den Gipfel.
Dort trifft er lange vor seiner Führerin ein. Vom Helgenhorn geniessen
wir eine schöne Aussicht; besonders beeindrucken der Basodino und
das Finsteraarhorn. Hinunter geht es über steile, harte Nordhänge
zurück ins Bedrettotal. Nur ja kein Sturz heisst hier die Devise.
Nachher wird nichts wie los zur Pensione Stella Alpina in Ronco gefahren.
Dort wird der Durst gelöscht und anschliessend das Vegi-Nachtessen
verschlungen, die einheimische Spezialität Zabaione findet nur mässigen
Anklang.
Montag:
Nach den Erfahrungen des Vortages werden
schon beim Start in All'Aqua die Harscheisen montiert. Durch Gebüsch
wird steil Richtung Piansecco-Hütte angestiegen. Die Hütte wird
einfach rechts liegengelassen mit der Begründung, sie sei nicht bewartet
(was natürlich nicht stimmte). Bei idealen Verhältnissen können
wir mit den Skis fast auf den Gipfel des Chüebodenhorns (3069 m) steigen.
Bei tiefblauem Himmel und warmen Temperaturen wecken der P. Rotondo gleich
nebenan und das Blinnenhorn im Westen, Errinnerungen an frühere Skitouren.
Eine schnelle Abfahrt mit Pulver im oberen Teil und Sulz unten, führt
uns rasch zum Ausgangspunkt zurück. Nachdem der Durst gelöscht
ist, fahren wir nach Hause, um vor dem zweiten Teil der Tourenwoche eine
Nacht im eigenen Bett zu verschlafen. Dank Flexibilität und organisatorischem
Einsatz unseres Tourenleiters Manfred, verbrachten wir zwei wunderschöne
Tage im Bedrettotal. Herzlichen dank dafür.
Dienstag:
Anreise mit dem öVm (Zug) über
Klosters - Vereinatunnel - Saliaigns - Guarda-Staziun bei schönstem
Wetter. André lässt seinen fahrbahren Untersatz in Klosters
stehen und besteigt ebenfalls den Zug. In Guarda ungeduldiges Warten auf
Sepp, der von Bergün anreist. Gemeinsame Postautofahrt nach Guarda-Dorf,
wo wir uns in der gemütlichen Usteria 'Crusch-Alba' verwöhnen
lassen. Ein originelles Lokal mit netter Bedienung und einem kurligen Wirt
(Franz Baumberger). Angesichts des anstehenden Anstiegs und früheren,
unerfreulichen Erfahrungen (Santa Catarina!) verzichten wir sogar auf den
üblichen Grappa.
Die Tuoi-Hütte auf 2250 MüM
ist fast voll, weil noch Militär anwesend ist. Gutes Nachtessen und
ab in die Klappe. Der durstige Wirt findet noch einige Opfer, um mit ihnen
bis gegen 01:00 Uhr zu bechern. Als rechtschaffene Alpinisten sind die
Hörnlianer jedoch standhaft und lassen sich nicht verführen.
Mittwoch:
Bedingt durch den verspäteten Beginn
der Silvretta-Tour lassen wir das Jamjoch bzw. die -spitzen sowie die Jamtal-Hütte
im Osten rechts liegen und peilen direkt die Fuorcla Vermunt und somit
den Dreiländerspitz an. Hans bricht den Versuch, ohne Harscheisen
die Tour zu machen, auf halbem Weg ab und kehrt nochmals zur Tuoi-Hütte
zurück um sich primo die Eisen zu holen und secundo sich gebührend
von den 4 Damen vom Vorabend zu verabschieden. Mit Ausnahme von Thea und
Sepp besteigen alle den Gipfel oder zumindest bis zur Schlüsselstelle:
ein schmaler, beeindruckender Schneegrat unmittelbar vor dem Gipfel.
Die Abfahrt zur Wiesbadener-Hütte
hält nicht was sie verspricht. Schon kurz nach dem Gipfelhang dominiert
der Chlötzlipulver und die eleganten Schwünge werden immer seltener.
Angesichts der Vollpackung heisst die Devise: Höhe vernichten und
heil ankommen.
Die Hütte ist von beeindruckender
Grösse. Gleich nach der Ankunft lassen wir uns vom Charme von Helga
einpacken und verschlingen genüsslich einen feinen Apfelstrudel, ein
mohnsamenüberpflastertes, undefinierbares Ding oder wahlweise einen
Kaiserschmarren als Zwischenverpflegung. Am Abend wird serviert, was eine
Bernerplatte hätte sein sollen. Dem Koch sei ein Besuch des Restaurants
Krone in Zäziwil im Emmental empfohlen! Getreu nach Hörnlianer-Art,
kommen auch die Kartenspieler erneut auf ihre Rechnung.
Donnerstag:
Ziel ist der Piz Buin auf 3312 MüM.
Die herrlichen Gletscherabbrüche auf dem Vorbeiweg sind beeindruckend
und bringen willkommene Abwechslung während dem Anstieg.
Dank der fachkundigen Führung durch
unsere bewährten Tourenleiter Manfred, Chlaus und Marcel, bereitet die
Besteigung keine besonderen Schwierigkeiten. Auf dem Gipfel geniessen wir die
herrliche Rundsicht. Schade, dass der Bidon mit dem köstlichen
Mirabellenschnaps beim Skidepot zurückblieb. Mangels Kartenmaterial
waren auch die diversen Behauptungen betreffend Namen der umliegenden Berge
nur bedingt überprüfbar.
Auf der Abfahrt - Nordhänge und Pulverschnee
dominieren - erlebt jeder von uns, wie schön das Tourenskifahren sein
kann. Nur der Gegenanstieg zur Hütte in der gleissenden Nachmittagssonne
bringt uns wieder auf den Boden der Realität zurück. Wie am Vortag
verwöhnt uns Helga bzw. ihre namenlose Kollegin mit den feinen Erzeugnissen
aus der Küche und dem Keller. Lag es am Aussehen der Namenlosen, dass
Hans ihren Namen nicht in Erfahrung brachte?
Weil sich die Sonne früher verabschiedete,
wurde der Nachmittag problemlos durch Kartenspiele oder Lektüre überbrückt.
Dumpfe Klopfgeräusche liessen bald einmal erahnen, dass die klassischen
„Wianer-Schnitzl“ auf dem Speisezettel standen. Anstelle der Pommes gab
es jedoch Kartoffelsalat mit reichlich Zwiebeln; letztere gaben André
allerdings tüchtig zu schaffen. Er wusste sich jedoch zu helfen und
behandelte das Problem mit einigen bitteren, alkoholischen Gebrannten.
Freitag:
Da wir zur Silvretta-Hütte dislozieren,
begehen wir vorerst den gleichen Anstieg wie am Vortag bis auf knapp 3000
MüM, wo Manfred den Blinker Richtung NW betätigt. Ziel ist das
Silvrettahorn auf 3243 MüM von der Egghornlücke (?) aus. Das
Wetter lässt jedoch zu wünschen übrig und zeitweise windet
es gehörig. Diesmal leistet uns - Thea und Sepp - auch Silvia Gesellschaft,
während die harten Typen bei mässiger Sicht auch diesen markanten
Berg im Vorbeiweg bezwingen. Bei den Wartenden kommen aktuelle Themen zur
Sprache oder die Zeit wird mit Lesen, Musik hören oder Gymnastik überbrückt.
Der beindruckend steile erste Hang ist
alles andere als einladend. Wegen der miserablen Schneebeschaffenheit hiess
die Devise erneut: Höhe vernichten. Auch weiter unten mehrheitlich
Deckel, diskret verpackt unter einer mehr oder weniger dicken Schicht Pulver,
zu wenig um anständige Schwünge machen zu können.
Wir erreichen heil die Hütte und
lassen uns vom liebevollen Hüttenwartpaar verwöhnen. Um die Hütte
liegen noch meterweise Schnee; noch vor knapp einer Woche fielen noch gegen
1.50 Meter der weissen Pracht. Obschon einiges weniger komfortabel, jedoch
blitzsauber, geniessen wir die ruhige Hüttenatmosphäre und freuen
uns auf das feine NaE (Suppe, Braten mit Polenta und 'Brännti Crème'
zum Dessert). Vor- und nachher kramt Chlaus immer neue Varianten des Kartenspiels
aus seinem schier unerschöpflichen Vorrat.
Samstag:
Aufbruch auf Umwegen nach Hause. Doch
vorerst liegt noch der Gletscherchamm (3173 MüM) am Wege, um bezwungen
zu werden. Schöner Anstieg über den Silvrettagletscher. In der
Nacht hat es nochmals 10 cm geschneit. Weiter oben zieht Manfred gekonnt
eine frische Spur. Bei einem Zwischenhalt verspüren einige noch das
Bedürfnis, eine Zwischenabfahrt zu machen und vom guten Schnee zu
profitieren während Manfred Hans behilflich ist, seine lädierte
(gebrochene Diamir!) Bindung notdürftig zu fixieren. Operation gelungen,
Heilungsprozess aussichtslos; bei nächster Gelegenheit, ab in die
Klinik (STS).
Nach erfolgreicher Besteigung des Gipfels
im beinahe unbezwingbaren Tiefschnee- folgen auf der Abfahrt einige schöne
Pulverhänge. Doch schon bald ereilt uns dasselbe Schicksal wie an
den Vortagen: Deckel und nochmals Deckel und dies während nahezu 1000
Höhenmetern. Genuss mässig bis saumässig. Unten ist es ordentlich
warm und vorgängig sind einige grössere Lawinen abgegangen, weiter
unten sogar von den Nordcouloirs.
Die Schlussfahrt bzw. -stosserei Richtung
Monbiel bei frühlingshaften Temperaturen im aufgeweichten Neuschnee,
kann nicht unbedingt als Tourenhöhepunkt gewertet werden. Der Versuch,
die Langlaufloipe als Erleichterung zu benützen, misslingt gründlich:
wir verirren uns auf einer Zusatzschlaufe! Trotz alledem ist der abschliessende
Fussmarsch nicht allzulang und - perfect timing - erwischen wir sogleich
das Postauto, das uns zum Bahnhof Klosters bringt.
Noch ein letztes Bier auf der Terrasse
des Hotels Chesa Grischuna und eine Stärkung. André überrascht
alle, weil er es nicht verkneifen konnte, nahtlos von den Skihosen auf
Shorts umzusteigen ohne den Umweg via Jeans zu wählen.
Ende gut, alles gut! Trotz der wetterbedingten,
anfänglich notwendigen Umdisponierung, durften wir eine erfolgreiche
und schöne Tour erleben. Manfred sei bestens gedankt für die
gewohnte, kaum noch zu steigernde Perfektion in der Organisation und Führung.
Wir freuen uns heute schon auf nächstes
Jahr. Gute Vorschläge benötigen nur noch, in die Tat umgesetzt
zu werden.
Die Chronisten:
Hans und Sepp

|