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Samstag:
Die frühzeitige Abfahrt (06:00 Uhr
ab Hinwil) wurde wegen Lawinengefahr im Ofenpassgebiet, wo eine kleine
Einlauftour geplant war, auf 10:00 Uhr verschoben. Als Alternative traf
man sich daher in Guarda im Restaurant 'Crusch Alba' zum Mittagessen, wo
schon im Vorjahr die Silvretta Tourenwoche begann. Als Sepp - von Bergün
herreisend - ankam, sassen die 'Unterländer' bereits beim Apéro
vor dem Restaurant an der Sonne. Da keine Eile angesagt war konnte das
originelle Mittagessen und der feine Barolo gebührend genossen werden.
Weiterfahrt über Scuol, Reschenpass
ins Vinschgau, wo sich die endlosen Obstkulturen bereits in einem fortgeschrittenen
Stadium befanden. Vor Naturns, Blinker raus und links abgebogen ins Schnalstal;
weiter oben rechts ins östlich liegende Pfossental bis zum Gasthof
'Jägerrast' auf 1693 MüM), der in den nächsten Tagen unsere
Bleibe sein sollte. Herzlicher Empfang durch das Wirtepaar Erika und Richard
Kofler. Wir sind die ersten Tourengäste nach dem langen, einsamen
Winter im abgelegenen Weiler. Einzig ein Team von Kanalratten (Arbeiter
dominikanischer Herkunft, in der Stollenrevision beschäftigt)
hausen seit längerer Zeit zusammen mit dem italienischen Capo in der
Jägerrast. Währschaftes Nachtessen begleitet vom einheimischen
Kalterersee, der in den nächsten Tagen zum Standard werden sollte.
Sonntag:
Nicht
allzu frühe Tagwacht, weil 'nur' der Stotz (2887 MüM) geplant
ist. Anstieg durch einen Lärchen-/Föhrenwald. Wir kommen gut
voran und erreichen den Gipfel nach rund 3 Stunden. Das Wetter ist schön
und warm. Auf der Abfahrt wird der Schnee bereits schwer. Wir bleiben daher
so lange wie möglich im Wald im Pulverschnee, kurven auf teils halsbrecherische
Art um die Bäume. Nach jedem Schwung tauchen unvorhersehbare Schwierigkeiten
auf, die jedoch von den meisten souverän gemeistert werden. Doch ab
und zu ist Kameradenhilfe angesagt wenn jemand stürzt und sich im
Gehölz verkeilt. Ende gut, alles gut. Wir fahren noch per Auto nach
Kurzras, dem Ausgangsort der Gletscherbahn, um sich nach der frühest
möglichen Bergfahrt an einem der folgenden Tage zu erkundigen.
Zurück in der Jägerrast machen
wir Bekanntschaft mit einem deutschen Restaurantgast mit Autokennzeichen
beginnend mit COE. Ihm leistet der Bruder von Richard Kofler, der ebenfalls
im Landwirtschaftsbetrieb tätig ist, trinkenderweise Gesellschaft.
Beide sind vom reichlich geflossenen Alkohol deutlich gezeichnet. Weil
für ihn plus Familie kein Zimmer frei ist, muss er während der
Woche weiter unten in einem Gasthof logieren. Vielleicht besser für
ihn!
Montag:
Zeitiger Abmarsch direkt ab der Jägerrast
zuerst NE zum Mitterkaser, dann E bis Eishof (2071 MüM), anschliessend
S zur Texelspitze (3318 MüM). Viel Neuschnee, doch die alte Spur ist
teilweise noch benützbar. Steiler Anstieg, der das Ueben der Spitzkehren
von Nöten machte. Bei P. 2918 sichtet Sepp (erkältet!) einen
Beobachtungsposten auf einem Buckel, betätigt den Blinker und biegt
links ab. Somit kommt Hans zum Zug um den Gipfelanstieg und das Erlebnis
zu kommentieren. Sein Kommentar:
Bald
erblicken wir auch schon unser Tourenziel, einen felsigen Gipfel. Überraschenderweise ist es möglich, die Felsen rechts zu umgehen und mit
den Skis bis fast zum Gipfel aufzusteigen. Die Spitzengruppe kann sich
knapp der Ueberholung entziehen; trotzdem setzen die Verfolger ohne Rücksicht
auf Verluste zum Entspurt an. Aufgrund der vorhandenen Spuren stellt André
mit Befriedigung fest, dass die Appenzellergruppe, die sich auch in der
Gegend herumtreibt und am Vortag hier
war, den Gipfel nicht bestiegen hat. Ein kurzer Felsabsatz und schon sind
wir auf der Spitze.
Alle meistern die nicht leichte Abfahrt
im tiefen Schnee ohne grössere Schwierigkeiten. Ab und zu ein Sturz,
der mehr oder minder schadenfreudig zur Kenntnis genommen wird. Auf der
Ebene halten wir uns lange auf der linken Seite des Bachbetts, um
das Ab- und Anschnallen der Skis zu vermeiden. Wir kommen daher recht früh
bei der Jägerrast an. Ruedi legt sogar einen militärmarschähnlichen
Schlussspurt hin, um André als Zweiten mit einem Radler in der Hand
zu begrüssen.
Schlussendlich bekommen alle ihr Getränk
und geniessen es zusammen mit einer währschaften Jauseplatte in der
Sonne vor dem Haus. Hauptprobe bestanden!
Dienstag:
Früh Tagwache mit dem Ziel, ab Kurzras
am Ende des Haupttals (2011 MüM) die Weisskugel (3738 MüM) zu
bezwingen. Anfänglich auf harter Unterlage und steilem Gelände
Richtung Steinschlagferner. Vor P. 3260 extrem steiler Anstieg , dann entlang
der Krete auf der anderen Seite auf dem Matscher Ferner Rtg N, am Hintereisjoch
(3469 MüM) vorbei zum Gipfel. Sepp hat das Tagesziel bereits beim
P. 3260 erreicht, fährt zurück zur Ebene, weil es auf dem Grat
zu kalt war. Dafür konnte er während 2 Stunden träumend,
lesend und schlafend die Totenstille auf dem Gletscher geniessen im Wissen,
dass Hans wiederum die Lücke mit seiner sprachlichen Eloquenz füllen
wird:
Nach dem Uebergang wird das Gelände
vorübergehend etwas flacher. Unser TL, Marcel, wartet auf die Damengruppe.
Dies wird von André und Klaus ausgenützt, ihre überschüssige
Energie loszuwerden; die beiden liefern sich vorne ein spannendes Rennen.
Vor dem Gipfel erwartet uns noch ein happiger Steilaufschwung, der an unseren
Reserven zehrt. Nachher kommt bald einmal das Skidepot in Sicht und der
Gipfel des Weisskugel (3738 MüM) mit dem riesigen Gipfelkreuz, den
wir auf einem interessanten Grat zu Fuss erreichen. Nachdem wir den schrecklichen
Steilaufschwung auch abwärts unbeschadet hinter uns gebracht
haben, treffen wir bald wieder auf unseren verlorenen Sohn Sepp.
Der Rest der Abfahrt totaler Genuss, stets
auf der Suche nach der idealen Hangneigung mit Pulver oder Firn. Eine ideale
Gelegenheit um gezielt an der Fahrtechnik zu feilen. Mittlerweilen sind
sich auch andere Teilnehmer der latenten Gefahren bewusst und vermeiden
gezielt mögliche Zusammenstösse mit Hans mit seinen Formel-1-ähnlichen
Hochgeschwindigkeitsschwüngen. Eine super Fahrt fast bis zum Auto,
am Schluss auf der Piste, die von der Lazaunhütte herunter führt.
Auf dem Rückweg Zwischenhalt bei einem Gasthof, wo wir den ersten
(Apfel-)Strudel verschlingen, nicht wissend, dass solcher uns auch am Abend
auf dem Menu erwartet.
Mittwoch:
Da die Gletscherbahn ab Kurzras zur Bergstation
Grawand (3200 MüM) erst um 08:30 Uhr fährt, geniessen wir
die etwas spätere Tagwache. Wir fahren gemeinsam mit einer grossen
Gruppe des SAC Säntis hinauf und kommen in den Genuss einer zusätzlichen
Preisermässigung. Vorerst Abfahrt um die Schwarze Wand herum, dann
Fellmontage und schöner, teils sehr steiler Anstieg im tiefen Schnee.
Marcel legt gekonnt ideale Spuren und erledigt sich so seiner überschüssigen
Kraft, die er in diesem Winter noch wenig einsetzen konnte. Der Gipfelanstieg
zur Finailspitze (3514 MüM) ist griffig, doch der schmale Grat ganz
oben - es geht auf beiden Seiten schroff abwärts - nicht jedermanns
Sache. Zudem ist es sehr windig. Wer den ganzen Grat mit gepackten Skis
überschreitet, gelangt auf das Hauslabjoch, in dessen Nähe wir
vor 2 Jahren, von der Martin-Busch-Hütte im Oetztal herkommend, schon
im Nebel herumturnten.
Wieder alle beisammen und gestärkt,
fahren wir durch knietiefen, bald schwer werdenden Schnee zurück.
Der Schnee beginnt an den Kanten zu kleben und die Schwünge verlieren
zusehends an Eleganz. Wachsen ist angesagt und wieder geht es, uns im Pulverschnee
zwischen den jungen Lärchen hindurchschlängelnd, steil hinunter
in flacheres Gelände den Pisten entgegen. Klaus bezahlt seine Abenteuerlust
in einem engen Couloir mit einem tollen Taucher, was ihn aber nicht erschüttern
kann. Die Pisten sind gewalzt und glatt wie Billiardtische. Vorbei oder
über den Gletschersee, den man nicht einmal wahr nimmt. Rassige, genussreiche
Abfahrt in Richtung Kurzras. Da die Sicht oben nicht ideal ist und es stark
windet, verzichten wir auf auf weitere Pistenrasereien und kehren zurück
zur Jägerrast. Wieder verwöhnt uns Erika mit einer währschaften
Jauseplatte. Am
Nebentisch wird dem nach der strengen Tour aufgetretenen Durst unter notarieller
Aufsicht mit reichlich Weisswein zu Leibe gerückt, was sich im nachhinein
nicht als ideales Stärkegetränk erweisen sollte. Spätestens
bei den wiederum unter fachkundiger Leitung von Margrit durchgeführten
Lockerungs- und Dehnübungen vor unserer Herberge, traten offenkundig
einige Gleichgewichtsprobleme auf.
Im
Verlaufe des Nachmittags ist noch Skiwachsen angesagt. André (Bügler),
Marcel (Stromlieferant) und Klaus (Finish) legen einen perfekten Service
hin. Der Rest der Equipe sowie weitere Passanten kommen nicht mehr aus
dem Staunen heraus. Merci!
Gewohnt gemütlicher Abend mit üppigem
Nachtessen und obendrauf eine Riesenportion Tiramisù. Kaloriendefizit
ausgeglichen!
Donnerstag:
Es hat in der Nacht geschneit und es ist
neblig: adieu Similaun (3597 MüM), den wir über Mitterkaser weiter
hinten im Pfossental angehen wollten. Somit entschwindet auch die Gelegenheit,
der einigen von der Oetztaltour her bekannten Similaunhütte bzw. deren
holden Weiblichkeiten einen Besuch abzustatten. Auch den Traum vom feinen
Apfelstrudeln dort oben müssen wir begraben. Statt
dessen statten wir, der nach Bozen zweitgrössten Stadt Meran, einen
Besuch ab und rollen die Augen ob der vielen schönen Sachen in den
Schuh-, Kleider- und Fressalien- boutiquen, die allesamt links und rechts
der Einkaufsstrasse unter wunderschönen Lauben eingebettet sind. Sogar
die prächtige Kirche mit dem schönen Gestühl wird besichtigt
und die alte Handwerkskunst bestaunt. Mittagessen in einem angenehmen Speiserestaurant.
Die Pasta soll enttäuschend gewesen sein, der Heilbutt war jedoch
aus eigener Erfahrung ausgezeichnet.
Auf dem Weg zum höher gelegenen Dorf
Tirol, wo sich vorwiegend die deutsche Oberklasse trifft, geniessen wir
bei einem Espresso oder Capuccino die herrliche Aussicht auf Meran sowie
das flache Tal mit Blick gegen Bozen. Auch im Dorf Tirol viele schicke
Boutiquen aller Art und stattliche Hotels mit X Sternen. Auch auf den Parkplätzen
sieht man viele Sterne, nicht am Himmel, sondern auf den Kühlerhauben
der Karrossen aus dem grossen Kanton. Beim Gang in Richtung Schloss eine
exklusive Boutique mit schönen Gläsern sowie zierliche,
glasgeblasene Karaffen mit Einschlüssen, die bei manch einem gewisse
leibliche Fantasien anregen. Zurück in Meran noch ein feines Gelati
an der Sonne und letzte Einkäufe von alkoholischen Getränken
für zu Hause. Ein lohnender Ausflug, den alle sichtlich genossen haben.
Schade, dass sich das Ristorante Flora (im Michelin mit 2 Gabeln aufgeführt)
in Renovation befand und das 'Pollo desossato' (Poulet, dem die Knochen
vor dem Backen entfernt werden; Sepp's Leibspeise dort unten), nicht genossen
werden konnte.
Freitag:
Schönstes Wetter, daher früher
Aufbruch ins Haupttal nach Kurzras. Von dort via Langgrurtal (Fossalunga)
über den Schwemser Ferner (Gletscher) zur Schwemser Spitze (3459 MüM).
Der Gletscher ist vom Vortag frisch verschneit, im oberen Teil ist es stark
windig. Heute ist für die Frauen nicht 'ladies day'. Sie ziehen es
zusammen mit Sepp vor, sich unten am Gipfelhang im Schnee einzugraben und
auf die Rückkehr der harten Männer zu warten, deren Anstrengungen
bequem mitverfolgt werden können. Hans kann daher kaum etwas Erwähnenswertes
zum Bericht beitragen, das unseren aufmerksamen Blicken entgangen wäre,
es sei denn, dass er damit eine eigene, vorübergehende Schwäche
zu kaschieren hätte?
Die Abfahrt von der Schwemser Spitze war
eindeutig der Höhepunkt der Tourenwoche. Etwa 10 - 20 cm Pulver auf
einer harten Unterlage: zum Ausflippen! Weiter unten auf Sulz übergehend,
an schattigen Stellen immer wieder Pulver und zu guter letzt elegante Schwünge
in Richtung Talstation. Noch letzte Einkäufe in den Boutiquen und
Rückkehr ins Pfossental, um den sonnigen Nachmittag vor dem Haus zu
geniessen. Wissend, dass es abends als Vorspeise Pasta geben sollte, konnte
es Sepp trotzdem nicht verkneifen, schon kurz nach der Ankunft genüsslich
eine Riesenportion Spaghetti alla Olio/Petrolio zu verschlingen.
Der deutsche Gast aus COE ist auch wieder
dort und - da der Platzanweiser (Bruder von Richard) nicht anwesend ist
- ist er auffallend ruhig und begnügt sich mit Holundersirup. Die
kleine Catarina (Tochter von Erika) sieht es ihm an, dass er vom Vorabend
sichtlich gezeichnet ist und rät ihm, gegen die Kopfschmerzen doch
einen Rotwein zu trinken, worauf
er mürrisch verzichtet. Letzte, wohltuende Gymnastik-, Dehn-, Streck-
und andere Uebungen unter kundiger Leitung von Margrit, unterbrochen von
unüberhör- barem Stöhnen, werden mit herzlichem Applaus
verdankt.
Ein letzter, gemütlicher Abend, seit
einem Tag von 7-dl-Flaschen, nicht aber -Qualität begleitet, geht
zu Ende. Unsere Gastgeberin Erika hat jedem seine Konsumationen manuell,
separat und detailliert aufgelistet. Bei dieser Uebersichtlichkeit gab
es daher keine Diskussionen, dafür noch eine Runde, gespendet von
den liebenswürdigen Gastgebern. Richard prognostiziert Nebel/Schnee
für den Samstag, was auch prompt eintrifft. Die Schlusstour wird daher
begraben und die direkte Heimreise über den Ofenpass - Vereina anvisiert.
Samstag:
Abreise ca. 09:00 Uhr mit Zwischenhalt
in Zernez zum Kaffee. Beim Vereinatunnel etwa eine halbe Stunde Wartezeit.
Hans interviewt in der Warteschlange den Leiter des SAC-Säntis und
erfährt, dass sie am Donnerstag infolge Nebels gezwungen waren, in
der Similaunhütte zu übernachten und erst am Freitag via Similaun
zum Vernagt-See abfahren konnten. Gleichzeitig brachte er in Erfahrung,
dass von den drei Hüttenwartinnen nur noch deren 2 übrig blieben,
weil inzwischen eine davon geheiratet hat. Offen bleibt noch die Frage,
welche Auswirkungen dies auf die Schönheitsskala hat. Mittagessen
- wie im Vorjahr - im Hotel Grischuna in Klosters. André verzichtet
angesichts des herrschenden Schneefalls auf die Montage seiner Shorts.
Herzlichen Dank an alle, die zum Gelingen
und zur unfallfreien Durchführung beigetragen haben.
Sepp (Schreiberling)
- Hans
(notarialle Beglaubigung und Ergänzungen)
- Hedi (Fotos)
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