SAC Hörnli
Tourenbericht:
Skitour in den Oetztaler-Alpen
10. - 17. April 1999

Teilnehmer:

Portmann Klaus
Egli Hedwig
Sahli Silvia
Meier Marcel
Geser Joseph
Hugentobler Hans 
Heitz Margrit
Kipfer Manfred

 

Reise:
Per Zug von Zürich-Buchs-Feldkirch-Landeck-Imst-Oetztal (Bus nach Vent über Sölden)

Aufstieg:
Ab Vent (Schnee bis an den Dorfrand); mässige Steigung, teils auf und ab, heisse Temperatur, schwerer Rucksack; Marschdauer ca. 3.5 Std.

Ziel:
Martin Busch-Hütte (DAV) auf 2501 müM; gut eingerichtete Hütte, voll besetzt. Alle Nationen sind vertreten (Franzosen, Japaner, Italiener, Engländer, Deutsche und Schweizer). Fesches Hüttenmadl, vom Vater unter Kontrolle.

Sonntag, 11.4:
Aufstieg Richtung Similaun (3606 m) über den Similaunferner in rund 4 Stunden. Angenehme Topgraphie mit Terrassen zwischendurch. Keine bedrohliche Spalten. Beim Gipfelanstieg umsatteln auf Steigeisen/Pickel. Wetter teils/teils, etwas windig. Auf dem Gipfel schönes Kreuz, herrliche Rundsicht bis Ortlergegend (SW). Einzelne Gruppen tragen Skis auf den Gipfel und fahren die SE-Abfahrt Richtung Schnalstal (verlockend; für die Zukunft notiert).
Recht gute Schneeverhältnisse auf der Abfahrt, mehrheitlich Pulver Richtung Similaunjoch (3019 m). Einkehr in der gastlichen Hütte, aussen mit groben Schindeln verkleidet. Schon wieder fesche Madl, Strudel, Kaffee, Cabernet Sauvignon aus dem Alto Adige.
Anschliessend super Abfahrt Richtung Martin-Busch-Hütte, mehrheitlich guter Schnee. Gemütlicher Hüttenabend (Apéro Grüner Veltliner), Würfelspiel etc.

Montag, 12.4:
Der Himmel ist verhängt, es schneit leicht. Zuerst Abfahrt zum tiefsten Punkt um die Ecke. Dann gleichmässiger Anstieg Richtung Hintere Schwärze (3628 MüM), so gegen 1200 Meter Höhenunterschied. Wir kommen gut voran, mittleres Tempo, das ich gut mithalten kann. Bei der Pause ziehe ich mich warm an, damit ich nicht - wie am Similaun - zu frieren beginne und frühzeitig den Anstieg fortsetze. Gegen Schluss wird es steiler und steiler, pickelhart und mit blankem Eis durchsetzt. Also, die neuen Harscheisen der Diamir-Bindung testen. Welch ein Supergeräusch, wenn die Zähne sich im Eis festbeissen. Reizvoller Gipfelanstieg vom Skidepot aus, nachdem die Felle abgezogen wurden und mit der Plastikfolie geschützt werden. Hier fehlt mir noch die nötige Routine, denn früher klebte man einfach die Gegenseiten aufeinander, was das Auseinanderziehen wegen der vergrösserten Fläche praktisch verunmöglicht.
Die Abfahrt ist - gelinde gesagt - eine Katastrophe. Fast alles Deckel (Windharst). Nur unter Anwendung aller Künste und dank den breiteren Skis sind Schwünge überhaupt möglich. Dank den Sperberaugen von Manfred und seinem fast untrüglichen Instinkt kommen alle heil hinunter und müssen noch den Gegenanstieg zur Hütte unter die Felle nehmen. Trotzdem eine schöne Tour.

Dienstag, 13.04:
Ziel ist der Hauslabkogel über das Hauslabjoch mit Vollpackung, wo bekanntlich Oetzi, der Gletschermensch vor fast 5000 Jahren gestorben ist und vor einigen Jahren erst aufgefunden wurde. Es wurde ein eindrucksvolles Steindenkmal errichtet mit Inschriften auf vier Seiten in verschiedenen Sprachen. Mir kommt der Eisenklotz auf dem Cho da Buoch aus Eisen oberhalb Preda in den Sinn. Wir finden den Uebergang nicht, um darüber zur Hochjoch-Hospitz-hütte (2412 m) zu gelangen. Es hat Nebel und es stürmt fürchterlich. Auch eine Gruppe Franzosen turnt in den tiefverschneiten Hängen um die Felsen und machen einen unorganisierten Eindruck. Also Abbruch, herrliche Tiefschneeabfahrt und 'Einchecken' in der Similaun-Hütte, meine Traumdestination, nicht nur wegen den Girls, sondern auch der feinen Küche und warmen Atmosphäre wegen. Ich bringe die am Vortag gekaufte Weinflasche wider zurück und geniesse diese zusammen mit einer währschaften Brettl-Jause. Im Gegensatz zur M.B.-Hütte gibt es aber dort einen feinen Marillenschnaps dazu.

Mittwoch, 14.04:
Neuer Angriff zur Überquerung, diesmal problemlos, weil wir gute Sicht und teilweise sogar Sonne haben. Eine Traumabfahrt mit hunderten von Tiefschneeschwüngen. Am Vortag hätten wir die Abfahrt wegen Nebels nur halb geniessen können. Vom tiefsten Punkt klettern wir wie die Murmeltiere über Stock und Stein hinauf und kommen sogar noch zu hoch hinaus. In der unbewarteten Hochjoch-Hospitz-Hütte lassen wir die Vorräte für das am Vortag vorgesehene Nachtessen zurück. Endlich bin ich meine zwei Riesenzwiebeln und Chläus seine Spaghetti, sowie das Brot los.

Kurze Rast, dann 'heisser' Anstieg Richtung Guslarspitzen (3151 m). Ich halte mich mit Silvia diskret im Hintergrund, denn vorne wird Tempo gemacht. Dafür geniessen wir beide zwischen Atempausen die berauschende Aussicht: rundherum Berge, Gletscher und dazu Sonnenschein. Nur der teilweise peitschende Wind (sandstrahlen in der Fachsprache) treibt uns vorwärts, um auf die windgeschütztere, andere Bergseite zu gelangen.

Die Kumpels besteigen noch den Hauptgipfel, Silvia und ich begeben uns direkt zum Treffpunkt weiter unten. Wieder haben wir ideale Verhältnisse: Pulverschnee um so richtig 'die Sau rauszulassen'. Als wir die Vernagt-Hütte auf 2766 m in Sicht haben, treffen wir auf eine Gruppe mit Fred Charlet aus Chamonix, den wir von der M.B.-Hütte kennen. Die zierliche japanische Teilnehmerin hatte einen Sturz und brach sich den rechten Oberschenkel. Wir halfen aus mit Wärmefolien, warmem Tee, NATEL (kein Empfang in diesem Tälerlabyrinth). Marcel und Hans begeben sich zur Vernagt-Hütte, um die Rettung zu alarmieren, die nach rund ¾ Stunden per Heli eintrifft. Sie hat Glück gehabt, dass die Alarmierung innert relativer kurzer Zeit erfolgen konnte.
Die Vernagt-Hütte ist gemütlich, doch der Chef ist etwas launisch. Ständig beklagt er sich bei uns über die Disziplinlosigkeit einzelner Tourenleute. Es herrscht trotzdem eine gute Stimmung, nur beim ständig zunehmendem Wind draussen dringt eiskalte Luft durch alle Ritzen. Pech hat, wer beim Fenster sitzt. Dafür ist das Zimmer mit 2 Doppel- und einem 1-er Kajüttenbett tipptopp.
Die Wetteraussichten sind lausig.

Donnerstag, 15.04:
Der HüW rät zum Abstieg Richtung Tal, der bei noch mehr Schnee problematisch werden könnte. Wir kommen alle heil hinunter und beendigen somit die Tourenwoche 1999 2 Tage zu früh. Schnell ein Taxi organisieren, den letzten Strudel im gastlichen Hotel nebenan und runter nach Oetztal zwischen immer noch gewaltigen Schneemassen von den Lawinenniedergängen.

In Oetztal selbst müssen wir auf ein chinesisches Restaurant ausweichen, wo wir ordentlich bedient werden und prompt den Zug um 13:06 Uhr (Maria Theresia) nach Zürich erwischen. Das Wetter verschlechtert sich zusehends; auf der anderen Arlbergseite hat es schon weit herunter geschneit.

In Ziegelbrücke verabschieden sich die 'Oberländer‘, während der Rest bis Zürich weiterfährt, wo ich - überhaupt nicht vorgesehen - meine Frau Marie treffe, die soeben von Megève zurück kommt.

Trotz dem verfrühten Ende war es eine schöne Tour. Einmal mehr hatten wir eine ausgezeichnete Stimmung im Team, alles gute Skifahrer und - last but not least - ausgezeichnet organisiert und geführt von Manfred und seinen Deputies Marcel und Chläus. Schade dass Thea (wegen Operation), Agnes und Ruedi (Tourenleiterkurs) und Irma und Walti (Walti beruflich) nicht dabei waren. Insbesondere das fürsorgliche und liebevolle Coaching von Irma habe ich vermisst. Einen speziellen Dank auch den kräftigen Seilträgern.

Besten Dank auch allen, die auf den Oldie Sepp Rücksicht nahmen und ihm während den manchmal etwas riskanten Schwüngen in den Abfahrten aus dem Weg gingen. Bis im Jahr 2000!

Sepp